Urwald im Großstadt-Grün

16.07.2024-044

Erstaunliche Einblicke: Exkursion der Experten von Oberpfälzer Naturschutzbehörden in den Regensburger Alleengürtel

Regensburg. Der Stutzkäfer wohnt hier, der Schienenkäfer fühlt sich wohl und auch der Eremit – wie der Name verrät, ein besonders scheues Exemplar der Gattung Juchtenkäfer – wurde bereits gesichtet. Im Regensburger Alleengürtel wimmelt es vor Leben: im Kronendach und unter der Rinde alter Bäume, in abgestorbenen Ästen und im Totholz finden Arten einen Lebensraum, die zu den am stärksten gefährdeten Waldbewohnern Deutschlands gehören.

„Vergleichbares findet man sonst nur in urwaldähnlichen Schutzgebieten wie dem Nationalpark Bayerischer Wald“, betont Lukas Feichtmeier, Projektleiter der höheren Naturschutzbehörde an der Regierung der Oberpfalz. Ausgerechnet große Städte wie Regensburg werden mit ihren jahrhundertealten Alleengürteln und Parkanlagen zum überlebenswichtigen Refugium. Das Biodiversitätsprojekt „Voller Leben“ brachte es ans Licht:  in der Stadt Regensburg leben 169 Käferarten, die in ihrer Entwicklung auf Totholz und Holzsubstrat angewiesen sind, darunter zahlreiche Rote-Liste Arten. 34 Prozent der gefundenen Arten sind in der Rote-Liste Bayerns gelistet und werden mitunter als vom Aussterben bedroht oder bereits als ausgestorben eingestuft. Eine große Verantwortung, aber auch eine große Auszeichnung in Zeiten zunehmenden Insektensterbens. 

Der Regensburger Alleengürtel – ein Best-Practice-Beispiel? Ja, meinen Dr. Hannaleena Pöhler und Marion Trinkerl von der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Regensburg. Das liege zum einen am besonders guten Miteinander von Regensburger Stadtgartenamt, Unterer und Höherer Naturschutzbehörde. Und auch an Weitsicht und fachlichem Mut, umgefallene Bäume und Totholz tatsächlich im Bestand zu lassen – natürlich nur im sicheren Zustand für die Öffentlichkeit.

Wie das gelingen kann, davon machten sich die Experten der Oberpfälzer Naturschutzbehörden gemeinsam ein Bild. Bei einer Exkursion zu verschiedenen, gelungenen Totholz-Refugien entlang der Fürst-Anselm-Allee gaben Vertreter vom Regensburger Stadtgartenamt Einblicke in die Arbeit vor Ort.

Die Exkursion fand statt im Rahmen der Dienstbesprechung der Unteren und Höheren Naturschutzbehörden, zu der die Regierung der Oberpfalz die Kolleginnen und Kollegen der Kreisverwaltungsbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte geladen hatte. Weitere Themen waren u.a. aktuelle Entwicklungen im Bereich Erneuerbare Energien, Windkraft, die Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinien (LNPR) und das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm.

Mehr Infos zum Projekt und zu Totholzkäfern in der Stadt Regensburg gibt es unter folgendem Link.

 

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